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Elektronische Zugangs- und Anwenderdaten im Todesfall

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Tipps und Regelungsmöglichkeiten.

Online-Zugänge zu E-Mail-Konten, Google-Konten, Auktionsplattformen, sozialen Medien wie Facebook, Twitter, LinkedIn, Xing & Co etc. sollten mit einem möglichst sicheren Passwort geschützt werden. Doch was geschieht mit Ihren Zugangsdaten, wenn Sie verstorben sind?

 

Ohne entsprechende Vorkehrungen haben Angehörige oft ihre liebe Not, Zugriff zu Online-Accounts eines Verstorbenen zu bekommen. Dies zeigt das Beispiel einer Mutter in Deutschland, die während fünfeinhalb Jahren um den Zugang zum gesperrten Facebook-Konto ihrer verstorbenen 15-jährigen Tochter kämpfte. Der Deutsche Bundesgerichtshof (BGH) entschied schliesslich im Juli 2018, dass die Grundzüge des Erbrechts auf den digitalen Nachlass Anwendung finden. Das bedeutet, dass der oder die Erben in alle Rechtspositionen des Verstorbenen eintreten. Die Erben übernehmen also alle Rechte und Pflichten des Verstorbenen, auch jene an Daten, die auf fremden Servern liegen. Facebook wurde entsprechend verpflichtet, der Mutter den Zugriff auf das Konto ihrer Tochter zu gewähren. Das Landgericht Münster hat diese Rechtsprechung des BGH mit Entscheid vom 16. April 2019 auf weitere Onlinedienste übertragen. Es entschied, dass Apple den Erben eines verstorbenen iCloud-Nutzers Zugang zu dessen persönlichen Daten gewähren muss. Wie die Schweizer Gerichte eine solche Frage beurteilen würden, ist offen.

 

Einem jahrelangen Kampf der Angehörigen kann man vorbeugen, indem man sich mit dem eigenen Tod und den Folgen auseinandersetzt und die notwenigen Regelungen trifft.

 

Es gibt folgende Möglichkeiten, diesbezüglich bereits zu Lebzeiten Regelungen zu treffen:

  1. Bei einigen Diensten (z.B. bei Facebook und Google) können Sie festlegen, was mit Ihren persönlichen Daten geschehen soll.
  2. Sie können eine schriftliche Liste mit Angabe aller Internetkonten und Zugänge verfassen und diese in einem Couvert verschlossen an einem sicheren Ort (z.B. in einem Safe) für die Erben hinterlegen.
  3. Eine etwas moderne Möglichkeit ist die Verwendung eines digitalen Passwortmanagers. Solche Programme speichern beliebig viele Zugangsdaten zentral und verschlüsselt. Es gibt nur noch ein Passwort, das man sich merken muss (das sog. Masterpasswort). Verwendet man einen Passwortmanager, der auch ohne Installation läuft, kann man diesen auf einem UBS-Stick verwenden und diesen Stick zusammen mit dem Masterpasswort für die Erben hinterlegen.
  4. Möchten Sie, dass nur eine bestimmte Vertrauensperson das Zugriffsrecht zu den Daten erhält und/oder die Daten in bestimmter Weise verwendet werden, können Sie die entsprechenden Anordnungen in einem Testament festlegen.
  5. Beziehen Sie im Rahmen von Abo-Verträgen digitale Musik, Filme, Bücher oder dergleichen, werden diese Verträge in der Regel erst aufgelöst, wenn der Todesfall dem entsprechenden Anbieter gemeldet wurde. Es ist folglich von Vorteil, wenn eine angehörige Person von solchen Verträgen Kenntnis hat oder spätestens im Todesfall erhält.

 

Wichtig ist stets, Ihre Daten regelmässig zu aktualisieren.

 

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